reportagen | fotografen | über

"Öl wird immer gebraucht"

von Timo Vogt

Die Letter von "Oilstreet" leuchten noch neu am Straßenrand. Gleich gegenüber verrosten langsam die großen Metallbuchstaben "Rustawi". Am Rande der ostgeorgischen Trabantenstadt Rustawi und inmitten dem Gewirr aus Plattenbauten betreibt der Tbiliser Unternehmer Paata Scharaschenidse eine Tankstelle. Eine weitere steht im betonierten Zentrum der Reißbrettstadt. "Öl wird immer gebraucht", meint Scharaschenidse sicher, bevor er rasch mit seinem Handy den Anruf eines Geschäftspartners annimmt. Die Konkurenz hat den Markt scheinbar noch nicht erkannt und so dehnt sich sein kleines Imperium stetig aus. Einen großen Tanklaster hat sich Scharaschenidse auch schon dazu geleistet, um die Füllungen für seine Zapfsäulen selbst und unabhängig zu organisieren. Zwischen der neuen rot-grauen Tankstelle und den tristen und grauen Wohnblöcken zieht der Unternehmer ein dreistöckiges Gebäude hoch. Er expandiert mit einem Restaurant und einem Casino. Das Risiko bei seinen Investitionen ist dem Unternehmer bewusst, "aber alternativ müsste ich zu Hause bleiben und nichts tun". "Ich mag Experimente", stellt er noch klar, bevor er sich wieder verabschiedet.
 
Insgesamt 45 Mitarbeiter hat der Familienvater. Kündigungsschutz kennen sie nicht. Aber Giorgi Chmaladse ist seit zwei Monaten bei "Oilstreet" und verdient 15 Lari (7,50 €) am Tag. Dafür schiebt er mit seinem Kollegen Utscha Arsenaschwili 24-Stunden Schichten. Sie betanken klapprige Schigulis und tiefer gelegte BMW mit getönten Scheiben. Wenn mal nichts los ist schmeißen sie dem gelangweilten Braunbären im Käfig ein paar Brocken Futter hin. Den Bären hatte der Chef persönlich in den Bergen des Kaukasus gefangen - als Attraktion für seine Tankstellenkunden. Privates und modernes Unternehmertum auf georgisch.

powered by bilderbeute.de