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Zugvogel aus Leidenschaft

von Gordon Welters

Berlin-München-Hamburg und retour. Marina fährt als Teamchefin mehrmals im Monat diese Strecke. Bei ihrem rasenden Nachtdienst ist sie für alles verantwortlich – sie muss den Zug abfahren lassen, Fahrkarten kontrollieren, unzufriedene Fahrgäste beruhigen und auch die Kollegen bei Laune halten. Ständig ist sie durch alle Abteile unterwegs, vom einen Ende des Zuges zum anderen, der immerhin über 300 Meter lang ist. Marina ist ein richtiger “Zugvogel”, war früher Stewardess bei der Interflug. “Ein nine-to-five-job kommt für mich nicht in Frage!” Sie muss unterwegs sein, um glücklich sein zu können. Ihr zweiter Mann hat Verständnis dafür, die inzwischen erwachsenen Kinder auch. Aber so ein Nachleben auf Rädern ist kein Vergnügen. Bereits Stunden bevor der Zug abfährt muss die Besatzung vor Ort sein, Ruhe finden sie erst ab 2 Uhr in der Nacht, wenn die Fahrgäste in Schlummer fallen. Um 4 Uhr geht’s schon wieder weiter, da kommen die ersten Gäste zum Frühstück. Bis der Zug endlich in den Bahnhof einrollt und die Fahrgäste sich in alle Welt verstreuen, bleibt das Lächeln auf ihrem Gesicht. Von Müdigkeit keine Spur. Die kommt erst, wenn sie sich in das Hotelbett am Zielort fallen lässt und den ganzen Tag verschläft. Abends steht sie wieder gut gelaunt auf dem Bahnhof und begrüßt die Gäste. “Es gibt keinen Beruf, den ich lieber machen würde.”
 
Text: Christiane Sternberg / cips [www.cips.com.cy]

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